Wudangshan Woche 9 + 10 / Seminar Nèi Yăng Gōng

Hinter uns liegen 12 anstrengende Tage. Am Freitag 26.05. kam der Manager der Schule zu Küni und mir und fragte uns, ob wir Lust hätten am Seminar „Wǔ Zàng Jiàn Kāng Nèi Yăng Gōng“ teil zu nehmen, dieses werde von Meister Tian Li Yang persönlich geleitet. Wir fragten ihn, um was genau es da ginge...

Er erklärte uns, das sei eine Form von Meditation; wir schauten uns an und sagten „das ist doch gut, ein wenig meditieren, das wird sicher angenehm“. Wir nickten beide und sagten zu. Doch dann kam der erste Haken: „Gut“ meinte der Manager, „das heisst aber für Euch, dass ihr am Wochenende kein „Frei“ bekommt, das Seminar dauert fünf Tage, also Samstag bis und mit Mittwoch“. Na ja, das wird ja wohl nicht so schlimm werden...

Am Samstag in der Früh ging es dann los: Zuerst Aufwärmübungen, teils neue und teils solche, die wir schon kannten. Wir waren also gespannt, was da noch weiter auf uns zukommen wird.

Nach einer kurzen Pause forderte der Meister uns auf, runde Strohmatten zu holen und uns im Schneidersitz vor ihn zu setzen. O.k., ich mit meiner Hüftarthrose, schluckte schon mal leer – „das kommt gut ...“. Los ging es mit Lockerungsübungen (für den Meister: locker – für mich: alles andere...). Die liefen etwa so ab: zuerst mit der linken Hand den rechten Fuss fassen und dann das Bein fünf Mal strecken. O.k. dachte ich, das geht ja noch, aber es kam noch mehr dazu: dann den rechten Fuss zum Kopf ziehen und den Unterschenkel kreisen, dann das rechte Bein ganz über das linke setzen (natürlich immer schön im Schneidersitz) und den Oberkörper drehen... usw. Nach den Übungen schauten wir uns alle schon ziemlich entgeistert an... ausser der Meister, der lächelte nur verschmitzt.

Zu fest möchte ich auch nicht ins Detail gehen, auf jeden Fall wurden in diesem Nèi Yăng Gōng auch die 5 Organe inkl. den dazugehörenden Lauten mit einbezogen. Nach gut einer Stunde im Schneidersitz, spürte ich alles andere als ein „wohltuendes Gefühl“ in meinem Körper; meine Hüft- und Kniegelenke schmerzten, und ich wusste bald nicht mehr wie sitzen. Wie erlöst waren wir, als dann endlich der Vormittag vorbei war und wir uns nach dem Essen zwei Stunden hinlegen konnten... Tja, und so ging es dann noch 4 ½ Tage weiter und das alles im Schneidersitz. Trotz allem „Leiden“ fanden wir das Seminar sehr, sehr interessant und ich stellte auch fest, dass sich nach fünf Tagen meine Hüfte etwas öffnete und sich stabiler anfühlte. Na, geht doch...!

An dieser Stelle möchten Küni und ich uns auch noch bei Bernd Müller, einem deutschen Teilnehmer, der fliessend Chinesisch spricht dafür bedanken, dass er immer alles synchron übersetzt hat, was uns der Meister erklärte. Erwähnen möchte wir auch noch, dass uns in der Schweiz öfters gesagt wurde, dass chinesische Meister nichts erklären, sondern nur vormachen und die Schüler es nachmanchen würden. Dem ist bei weitem nicht so. An unserer Schule wird sehr viel erklärt und Tian Li Yang kümmert sich wirklich um jeden einzelnen Schüler.

Am letzten Dienstag feierten wir mit dem Meister das „Duānwŭjié“ (Drachenbootfestival), welches nach dem traditionellen chinesischen Kalender jeweils auf den 5. Tag im 5. Monat fällt. Der Geschichte nach, soll ein Dichter (zu Unrecht) dazu verurteilt worden sein, im Fluss ertränkt zu werden. Er wurde dann aber von Leuten in einem Boot gerettet.

Letzten Donnerstag nahmen wir dann das übliche Training wieder auf und freuten uns darüber, dass wir Kicks über den ganzen Platz machen durften und nicht mehr im Schneidersitz sitzen mussten.

Es waren 12 intensive, aber doch schöne und vor allem lehrreiche Tage, mit dem einzigen kleinen Nachgeschmack: ich liege jetzt (am 12. Tag) im Bett, weil ich eine Entzündung an beiden Kniegelenken habe. Vorteil: ich habe Zeit diesen Blogbeitrag vorzubereiten...

... und während wir am Folgetag den Blog hochladen, geniessen wir unseren lang ersehnten Cappuccino und dazu Pralinen aus Belgien...




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