Wudangshan Woche 11 / Schulbetrieb

In diesem Beitrag wollen wir uns einmal dem Schulbetrieb widmen. Es gibt in unserer Wŭ Guăn, so nennt man hier eine Kungfu Schule, zwei Gruppen von Schülern...

Die eine, die jungen Schüler, machen das volle Programm (3 bis 5 Jahre); das heisst, sie erlernen zuerst die „äusseren“ Techniken, also mehr das kraftvolle, kämpferische Kung Fu. Für diese Schüler heisst es jeden Morgen um 05:50 – 06:50 Training. Dieses beginnt mit einem Lauf von ca. 3 bis 5 Km, anschliessend dann, heisst es Kicks, Kicks und nochmals Kicks. Nach dem Frühstück, geht es dann weiter mit diversen Kungfu Formen bis zum Mittagessen. Am Nachmittag wird gedehnt, was das Zeug hält. Die Jungs müssen Gelenke aus Gummi haben, uns tut es nur schon weh, wenn wir zuschauen. Neuerdings müssen sie auch noch lernen, wie man Wände hochklettert...

Hier in Wudang gilt: Zuerst müssen sich junge Praktizierende austoben, also erst einmal die äusseren Techniken lernen und erst später, wenn ihre Körper geformt, ihr Qi kultiviert und ihr Geist reifer geworden ist, mit dem eigentlichen Taiji beginnen. So wird auch klar, weshalb Taiji auch das höchste Äusserste heisst.

Die anderen Gruppen widmen sich ausschliesslich den „inneren“ Übungen, wie Qigong, Taiji, Zhou Tian Huo Shen Gong (Körper kräftigende Übungen), Meditation, und weiteren Übungsformen, die da noch folgen werden.

Geleitet wird die Schule von unserem Shífu (Lehrer/Meister), der immer fröhlich und lächelnd, aber mit stetigem Blick für jedes Detail durch die Schule geht und sich um seine SchülerInnen kümmert. Er spricht sogar etwas Deutsch. Also, wenn er einem etwas erklären will, sagte er immer „Gugg a mal, so... so... so ...“.

An seiner Seite folgt die Stellvertreterin Jiào Liān (Lehrerin). Sie erinnert irgendwie an einen Feldweibel in der Armee, oft grimmig dreinschauend mit funkelnden Augen. Wenn es die Situation aber mal erlaubt, macht sie Spässe und kann sich ab kleinen Sachen erfreuen wie ein Kind, spätestens dann merkt man, dass sie ein Mensch voller Gefühle ist.

Meisterschüler (von Tian Li Yang in die Familie aufgenommen) ist Nils aus Deutschland, ein „junger Wilder“; es gibt fast nichts, was er nicht kann. Der 22-jährige ist ja sowas von beweglich und gelenkig. Er leitet vor allem das Training mit den Jugendlichen.

Speziell erwähnen möchten wir „Popo“, was auf Chinesisch so viel wie „Oma“ heisst und „Yeye“ (Opa) ihr Ehemann, sie sind die Schwiegereltern von Tian Ly Yang und sorgen sich liebevoll um uns. Während Popo für das Essen und die Wäsche zuständig ist, kümmert sich Yeye um alle anderen Arbeiten im und um das Haus.

Dann ist da noch der Manager Rao Jun, der für alles Administrative und Organisatorische zuständig ist. Er ist der Schwager des Meisters, eher etwas scheu und zurückhaltend aber er besitzt ein gutes Herz und weiss recht viel über das, was wir hier lernen. Bei ihm muss man sich auch abmelden, wenn man mal weg ist. In der Regel ist die Schule jeweils um 20:00 geschlossen und man muss also, dafür besorgt sein, pünktlich wieder in der Schule zu erscheinen.

 

Unsere Schule ist eigentlich wie eine Familie. Es herrscht ein gutes Klima, man lacht und scherzt, aber man leidet auch miteinander. Der Meister trichtert uns auch immer wieder ein, dass wir darauf achten sollen, dass unser Herz „clean“ ist und wir nur gute Gedanken in uns haben.

Ja... und diese Woche feierten wir noch den Geburtstag des Meisters, bei einem reichhaltigen Mittagessen und sehr viel Huáng Jǐu (selbstgemachter Reiswein, milder als Reisschnaps). Die Stimmung war ausgelassen und fröhlich... so auch, als wir dann um 14:30 Uhr wieder zum Training mussten...

HAPPY BIRTHDAY TIAN LIYANG

 

Von Sonntag bis Montag besuchten wir nochmals die Wudang Berge. Das Wetter war eher trüb, die Schönheit der Landschaft aber, wurde dadurch nicht im Geringsten beeinträchtigt; im Gegenteil, die Berge schienen durch die Nebelschwaden noch viel mystischer.




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