Wudangshan Woche 12

08:00 und wir sitzen wieder in unserem „Büro“ – im Wudang International Youth Hostel. Die Zeit vergeht ja so schnell, jetzt sind wir schon drei Monate in Wudang und stärken und dehnen Tag für Tag unsere Körper...

 

Letzte Woche kam neu das „Nèi Jīa Shí Sān Shì Zhuāng Fă“, die 13 Stände dazu. Bei uns mehr als „Zhàn Zhuāng“ bekannt, mit dem Unterschied, dass wir nur einen Stand, und beim Nèi Jīa Shí Sān Shì Zhuāng Fă insgesamt 13 (shí san shì) Stände gelernt haben. In jedem Stand/in jeder Position verharrt man entspannt. Zuerst stellt man sich im Dāntián (dem Sitz des Qi’s) eine Lotus-Blüte vor, die sich beim Einatmen öffnet und beim Ausatmen wieder schliesst, dies drei Mal und dann anders rum, das heisst: Die Blüte schliesst sich beim Einatmen und öffnet sich beim Ausatmen. Als nächstes konzentriert man sich auf das Qi im Dāntián, man versucht dessen Wärme zu spüren und dann – als Steigerung – das Qi mit dem Mind (Yi) zu bewegen, zuerst aufwärts und abwärts, dann seitlich und im Kreis, zum Schluss bewegt man das Qi durch den ganzen Körper. Eine Zeitvorgabe für die jeweilige Übung gibt es dabei nicht, je länger man aber das Qi spüren und auch geniessen kann, je besser ist das.

 

Uns wurde von der Jiào Liān (Lehrerin) gesagt, dass es wichtig sei, diese Übungen nur dann zu machen, wenn man sich „gáo xing“ (glücklich) fühle, also in guter Verfassung sei. Sich zu den Übungen zwingen sei eher kontraprodutkiv. Tja, wie soll ich das jetzt verstehen? Bin ich nun von den Übungen suspendiert? Denn ich fühle mich dabei, ehrlich gesagt, alles andere als wohl. Zwar fühlt man sich die ersten Minuten sehr gut dabei, dann aber spürt man zunehmend Spannungen im Rücken, in den Schultern, den Beinen und schlussendlich überall. Man hat das Gefühl man wackle immer mehr im Stand und ich bekomme richtig Wallungen dabei, ich gehe mal davon aus, das ist das Qi, das in mir herum wandert... Zwischendurch schiele ich dann mal auf die Uhr und stelle fest, dass ich ja erst 5 Minuten in dieser Stellung bin. Ja, und so üben wir dann den ganzen Nachmittag die Stände. Erwähnen muss ich noch, dass einer der Stände auf einem Bein stehend ausgeführt wird...

 

Diese Woche gab es wieder einmal feine handgemachte Bāo Zi. Küni wurde angefragt, ob sie mithelfen wolle. Fein, dachte ich, da geh ich auch mit, dann kann ich etwas entspannen. Also folgte ich Küni nach in die Küche. Sah recht einfach aus: Man nehme einen flach gedrückten Teigfladen in die eine Hand und in die andere Hand etwas von der Füllung (gehacktes Gemüse, lecker gewürzt), stopfe es in den Fladen und schliesse dann die Ränder, entweder zu einer „Kugel“ oder zu einem „Krapfen“. Locker ging ich die Sache an, die anderen füllten bereits etwa drei Bāo Zi, während ich immer noch versuchte den ersten zu einem Krapfen zu formen. So circa nach dem 3. erfolglosen Versuch, entschloss ich mich, mich wieder der Körperertüchtigung zu widmen. Küche ist doch eh nichts für hartgesottene Männer.... hm... hm...

 

Am Samstag feierten wir noch den 23. Geburtstag von Nils, dem Meisterschüler von Tian Li Yang. Der Tempel, respektive die Trainingshalle wurde kurzum zu einem Speisesaal eingerichtet. Es wurden Tische und Stühle zusammengeschoben, dann setzten sich der Meister und sämtliche Schüler zusammen und genossen das leckere Essen, das von Popo und Rao Jun (dem Manager) gekocht wurde. Am Abend wurde uns dann noch die leckere Geburtstagstorte (mit viel „Sahne“!) serviert und zum Schluss drückten sich Jiào Liān, Nils und die anderen Schüler gegenseitig Tortenstücke ins Gesicht, unüberhörbar war dabei das kindliche Lachen der sonst so ernsten Lehrerin.

 



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