Wudang Woche 14 / Shíyàn City

Nachdem wir Jürgen am Bahnhof von Shíyàn verabschiedet haben, versuchten wir ins „Wanda Plaza“, ein Shopping-Center zu gelangen, was in einem Land, in dem fast niemand Englisch spricht, gar nicht so einfach ist...

„Qù (gehen nach) Wanda Plaza?“ fragten wir Buschauffeure und Passanten, die schauten uns aber nur mit schüttelndem Kopf und grossen Augen an. Am Busbahnhof trafen wir auf zwei Schülerinnen, die ein wenig Englisch sprechen konnten, sie rieten uns, ein Taxi zu nehmen. Kaum gesagt, stieg aus einem Bus die Tochter unseres Meisters. Sie riet uns den Bus Nr. 21 zu nehmen, also marschierten wir zur Busstation.

Wieder standen wir mit fragenden Gesichtern da, als plötzlich ein Taxi vor uns hielt. Drinnen sassen die zwei Schülerinnen von vorhin und forderten uns auf mit ihnen zu fahren. Vor der Schule angekommen, wollten die Mädchen bezahlen. Als wir ihnen anboten, dass wir die Taxikosten übernehmen, winkten sie ab. „Nein, wir bezahlen unseren Anteil selbst, danke“. Dem Taxichauffeur machten sie klar, dass wir zum Wanda Plaza wollen. Dort angekommen, wollten wir die Taxifahrt bezahlen. Der Chauffeur machte uns aber klar, dass die Mädchen bereits für die Fahrt bezahlt haben. Wir waren richtig gerührt, dass es in diesem Land, wo die Menschen eher „kalt“ wirken, doch so viel Freundlichkeit gibt. Es braucht halt einfach seine Zeit, bis man die Menschen hier versteht und kennt. Im „Wanda“ verpflegten wir uns dann mit einem Steak, was für uns eher wie ein Schnitzel aussah, und einem chinesischen Rotwein (Dinasty). Shíyàn City an und für sich, ist keine schöne Stadt und es gibt auch nicht sehr viel zu sehen, ausser vielleicht noch den „People’s Park“ und einer nachgebauten chinesischer Mauer (Cháng Chéng); aber bei der Hitze war es uns einfach zu viel, uns nach den Sehenswürdigkeiten durchzufragen.

Vom „Wanda“ aus begleitete uns Max, der Manager des Starbucks, mit dem Bus bis zum Bahnhof, von dort ging’s dann mit dem Bus Nr. 202 – ohne umzusteigen –  ca. 25 Km zurück nach Wudang und dies gerade mal für 4 RNB (CHF --.60) pro Person.

Diese Woche starteten wir mit dem „Wǔ Xíng Liù Hé Gōng“ den fünf Schritten und sechs Bewegungen. Hier geht es vor allem darum, die Koordination zu üben, also Bewegungen mit Schritten auszuführen. Momentan üben wir nur das Arme heben, wobei der eine Arm resp. die eine Hand völlig entspannt (Yin) und die andere Hand gespannt (Yang) wird. Hört sich eigentlich ganz einfach an, aber dem ist nicht so: sich langsam und entspannt zu bewegen ist recht anspruchsvoll und braucht enorme Geduld – also, noch ein weiter Weg bis zum Erlernen der Form.

Während wir langsam und gemächlich unsere Bewegungen üben, werden unsere Kids bis zum „Gehtnichtmehr“ gedrillt. Sie hüpfen wie Frösche rund um die Schule, Mäuerchen auf und ab und klettern und winden sich an der Beton-Wand; manchmal so hart, bis einige zu weinen beginnen. Wer nicht mithalten kann, wird mit „Zusatzhüpfen“ oder „Liegestützen“ bestraft. Am Nachmittag heisst es dann für die Kids Flick-Flack, Überschläge, Saltos und Dehnen bis an die Grenze des Ertragbaren. Manchmal schmerzt es einem bereits beim Zusehen.  Umso mehr verwundert es einem, woher die Kinder noch die Kraft nehmen, wenn sie in der Pause umherrennen und „Fang-Mich“ spielen. Würde so eine Ausbildung nicht manchem Kind aus unseren Regionen mal gut tun? Da kann man geteilter Ansicht sein...



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