Wudangshan Woche 22+23 / Besuch aus der Schweiz

 

Schade, mussten sie wieder nach Hause Letztes “Wochenende” besuchten uns Martina, unsere Shí Jiĕ (ältere Taiji-Schwester) und Jörg, ihr Ehemann. Die erste Nacht verbrachten sie in unserer Wǔguăn und am folgenden Morgen nahm Martina an unserem Morgentraining teil...

Nach dem gemeinsamen Mittagessen in unserer Schule, wurden wir von Vi Vi, der Reiseführerin und ihrem Fahrer abgeholt. In der Basisstation angekommen fuhren wir mit dem Bus nach Nanyan und quartierten uns im „Topzero“ ein.  Danach besichtigten wir die diversen Tempel um Nanyan sowie den Zi Xiāo Gōng (Palast der purpur farbigen Wolken). Der Himmel war zwar bedeckt, aber dafür war es nicht so heiss, wie die vorangegangenen Wochen und wir konnten es so richtig geniessen. Mit Vi Vi hatten wir eine gute Reiseführerin, die sehr viel über die verschiedenen Tempel und die Geschichte um Zhēn Wŭ, (der wahre Krieger), auch Xuanwu (der dunkle Krieger) genannt und Zhāng Sānfēng (der „Vater“ der inneren Kampkünste) erzählen konnte. Der Clou: es stellte sich heraus, dass sie erst noch eine Nachbarin unserer Schule ist und Master Tian Li Yang sehr gut kennt.

Yuán Fèn... (Schicksal od. auch Fügung) oder: wie klein die Welt doch ist...

 

Am Zǐ Xiāo Gōng fand gerade eine Messe mit daoistischen Nonnen statt, was uns sehr beeindruckte. Als die Messe zu Ende war, kam eine kleine Nonne mit lieblichem Gesicht auf uns zu und stupfte Küni; sie fragte „kennst Du mich noch?“. Küni wusste gleich, dass sie das Gesicht irgendwoher kennt. Die Nonne sagte dann: „du warst bei Chen Shixing meine Schülerin“. Küni erinnerte sich jetzt wieder: Wir waren ja bereits 2013 für 8 Tage an der Schule von Master Chen Shixing und Küni lernte in dieser Zeit die 13er-Form, während ich eine Xíng Yì-Form lernte. Die Nonne war damals Küni’s Jiào Liān . Sie nennt sich übrigens jetzt ‚Huà’ was ‚change / transform’ heisst...Es war ein so rührendes Erlebnis, das bei Küni fast Tränen auslöste. Ja, und wie in China üblich, wurde sofort Kontakt über WeChat (chinesisches WhatsApp) aufgenommen und Fotos ausgetauscht.




Frühmorgens übten wir jeweils unsere Taiji-Formen...


Am Montag besuchten wir den Tàihé Gōng (Palast/Tempel der höchsten Harmonie), jedoch auf die etwas angenehmere Art: wir liessen die 9000 Stufen aus und benutzten die Seilbahn auf den Gipfel des Berges. Oben angekommen, waren wir eher etwas enttäuscht; die Besucher drängten sich Kopf an Kopf zur „golden Hall“ um dort nieder zu knien (sofern das noch möglich war) und zu Zhēn Wŭ zu beten. Inmitten der Leute, erspähten wir Yuan Li Min, den Kungfu-Bruder (Shi Di) unseres Meisters, der uns lächelnd zuwinkte. Nach kurzer Begrüssung und einem Schwatz, machten wir noch Posen für ein Gruppenfoto... Anschliessend gingen wir noch zum Tai Ze Po, ein weiterer, sehr schön erhaltener Tempel.

Am Dienstag war es leider sehr regnerisch. Um 06:30 liefen Martina, Küni und ich die 108er-Form auf der Terrasse des Hotels. Nach dem Frühstück statteten wir Thomas Morillon, der in den Wudang Bergen eine Teeplantage besitzt, einen Besuch ab. Er lebt schon einige Jahre in China und produziert hier einen fantastischen Lù Chá (Grüntee). Er weiss enorm viel über die chinesische Geschichte, über den Daoismus und natürlich über die Art und Weise einen exzellenten Grüntee herzustellen; zudem hat er noch TCM studiert. Er lebt ziemlich abgeschieden in einem bescheidenen Haus inmitten der Plantagen, in einer wunderbaren Umgebung.

Nachdem wir es uns in seiner Stube bequem gemacht haben und einen schmackhaften Lù Chá eingeschenkt bekamen, erklärte er uns mit ruhiger und angenehmer Stimme, wie er den Tee pflückt, verarbeitet und dann verpackt. Dabei helfen ihm seine Nachbarn und Praktikant/innen. Im Sommer führt er jeweils ein Sommercamp durch an welchem er die Teilnehmer in Daoismus, Qigong, Taiji und Kaligraphie unterrichtet.  Wir hätten ihm noch Stundenlang zuhören können, aber wir mussten wieder weiterziehen, da auf dem Programm noch ein Besuch im Museum von Wudang stand. Also verliessen wir – ein wenig wehmütig – sein „Anwesen“ auf einem schmalen, aus Steinplatten konstruierten Pfad und fuhren dann mit dem Bus in die Stadt.




Diese Kaligraphien hat Thomas mit mehr als 5000 Schriftzeichen geschrieben. Die drei grossen Schriftzeichen im rechten Bild heissen "Dào Dé Jīng und die zwei im linken Bild heissen Xū


Im Museum von Wudang gibt es sehr viel über die Geschichte Chinas und natürlich über die inneren Kampfkünste zu sehen. Da liegt es natürlich in der Hand, dass auch ein Film unseres Meisters gezeigt wird, in dem er Taiji-, Bagua- und Xíng Yì-Formen vorführt.

Nach dem Museumsbesuch fuhren wir nochmals in unsere Schule, damit Martina und Jörg noch Tian Li Yang kennen lernen durften – auch das natürlich nicht ohne ein Fotoshooting. Tja... und dann hiess es Abschied nehmen....

 

Alles in allem, erlebten wir drei wunderbare Tage in den Bergen. Danke Martina und Jörg, dass ihr uns besucht habt! Gerne dürft ihr das wiederholen....

 



So! Jetzt heisst es Chinesisch büffeln.....

 

Bis bald....