Wudangshan Woche 57 - 58


Immer noch sind wir fleissig am Lernen der 64er – Form, und wenn uns jemand sagt, beim Taiji schwitze man nicht, dann ist die Person entweder immer am Frieren oder hat im Leben noch nie Taiji praktiziert...

Wenn man zig-mal eine Bewegung – in welcher man zuerst ein Bein hebt, dann das Zentrum mit gehobenen Bein um 90 grad dreht und anschliessend tief in eine Hocke gehen muss, aus welcher man sich mühsam wieder emporschiebt...  tja... dann ist Schwitzen angesagt. Kommt noch dazu, dass das Thermometer mittlerweile schon auf bis 31 Grad steigt. Die Stechmücken freut’s...!

Dann war da noch das Loch in meinem Zahn... Nicht schon wieder! Zuerst die Rippe, dann mein Schädel und jetzt auch noch der Zahn. Also, entschlossen wir uns nach Shíyàn zu fahren, um dort im Taihe-Spital einen Zahnarzt aufzusuchen. Wir buchten eine Nacht im Double Tree Hilton in Shiyan...  Nein, nicht versnobt! Aber wir dachten, wenn schon Zahnschmerzen, dann wollen wir uns wenigstens ein schönes, bequemes Zimmer und die Happy Hour sowie ein reichhaltiges Frühstücksbüffet am Morgen gönnen.

Direkt nach dem einchecken, fuhren wir mit dem Taxi zum Spital. Das Spital – so hörten wir – sei angeblich auf einem sehr hohen technischen Niveau und verfüge über sehr gut ausgebildete Ärzte. «Na ja...» dachte ich als alter Skeptiker... Auf der Homepage sieht das alles so hochmodern aus, aber als wir dort ankamen, sah alles so unscheinbar aus. Wir gingen in die Empfangshalle, in der es nur so von Menschen wimmelte. Am Informationsschalter wurde uns – man staune: in Englisch(!) – erklärt, dass das Spital jetzt schliesse (es war gerade 12:00h) und erst wieder um 14:30h öffne. Die nette Angestellte empfahl uns jedoch, wir sollen um 14:00h schon bei ihr erscheinen, sie werde uns dann helfen.

Um 14:00h wartete die Angestellte bereits auf uns. Sie bat Küni doch bitte auf den Schalter aufzupassen 👮 und begleitete mich dann an einen anderen Schalter. Dort fragte sie mich, ob ich lieber «einen Doktor oder einen Professor» wünsche, der/die mich behandle. Ein Doktor koste 6.50 Yuan (CHF 1.--) und ein Professor 19.50 Yuan (CHF 3.--) Grundgebühr. Na, was denkt ihr, für wen ich mich entschieden habe...? Falsch! Ich habe mich für den Professor entschieden...

Im 7. Stock angekommen, führte mich die Informationsangestellte zu «meinem Professor» der bereits auf mich wartete. Ja, und «der Professor» war eine zierliche ProfessorIN, die auch noch Englisch sprach. Wie eine Röntgenaufnahme zeigte, war ein Riss in einer Plombe meines Eckzahns. Nach einer Spritze ersetzte die Professorin mir die Plombe und ich wurde nach ca. einer halben Stunde wieder entlassen.

Übrigens, im grossen Behandlungsraum hat es etwa 6 Behandlungsplätze, welche nur durch kleine Trennwände getrennt sind...’Zuschauer’ haben eine gute Aussicht auf jedermann...Die Tür zum Flur steht offen...Nebenan befindet sich ein riesiger Behandlungsraum für Kinder. Von dort hörte man lautes Schreien, oh weia...

 

Im Flur, dem Warteraum, hört man lautes Schwatzen und Musik oder Spielgeräusche von Mobiltelefongeräten. Privatsphäre? Kennt man nicht in China...

Die Zahnarztassistentin begleitete mich zur Kasse und dort bezahlte ich für die Behandlung 286 Yuan (CHF 45.--). Also total kostete uns das Ganze nur CHF 48.00.

Tja, liebe Zahnärzte in der Schweiz: Es geht auch billiger...

 

Ah, ja! Da war ja noch ein Ereignis...

 

Ingo, unser Dìzĭ, hat seiner Irene bei der goldenen Halle, auf dem höchsten Punkt des Tianzhu in den Wudang-Bergen, einen Heiratsantrag gemacht und – man staune – sie hat ja gesagt... 😘. Das und auch der Abschied von den beiden haben wir dann letzten Dienstag kräftig gefeiert. Am Samstag sind die beiden dann mit dem Zug nach Beijing und von dort am Montag weiter nach Deutschland zurück gereist. Wir wünschen euch beiden nur das Beste und freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen.

Sonst läuft alles gut hier. Küni versteht und spricht inzwischen schon recht gut Chinesisch. Und ich? Ja, mein Chinesisch ist immer noch eine Katastrophe; zwar büffle ich Vokabeln rein, aber Sätze bilden kann ich halt immer noch nicht recht. Um unser Chinesisch noch mehr zu verbessern, planen wir im Juli und August einen Aufenthalt in Dali um dort Intensivunterricht zu nehmen. Küni wird sich dort auf HSK-Prüfungen vorbereiten und ich möchte intensiv Konversation üben. Vorausgesetzt, die Behörden machen uns keinen Strich durch die Rechnung. Was wir nicht wussten: unsere Schule muss bei der Polizei anfragen, ob wir nach Dali reisen dürfen oder nicht. Der Gund: Unsere Wǔguăn hat uns eingeladen, wofür wir ein Studentenvisum beantragt haben, und ist somit auch für uns verantwortlich. Wir denken aber, das sollte keine Probleme geben... Wir werden berichten...

Liebe Grüsse aus Wudang

 

Küni & Gustav



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