Wudangshan Woche 6 + 7 / 4. Internationales Daoisten Forum

Das waren zwei sehr aktive Wochen und unsere Freitage (Montag und Dienstag) wurden gestrichen. Grund dafür war das 4. Internationale Daoisten-Forum, welches vom 10. bis 12. Mai in Wudangshan durchgeführt wurde...

Die Stadt wurde auf Hochglanz getrimmt; Gehsteige wurden repariert, neue Bäume wurden gepflanzt und Fassaden von Häusern wurden saniert. Die Vorsichtsmassnahmen waren enorm: überall standen zum Teil schwer bewaffnete Polizisten, es wurden Schikanen auf den Strassen und ein Checkpoint, an welchem alle Personen „gefilzt“ und deren ID-Karten (und bei uns Ausländern der Pass) kontrolliert wurde, installiert.

Am Dienstag, 9. Mai wurde uns dann gesagt, dass wir am Nachmittag zum Yu Xu Gong (ein Tempel in der Stadt) gehen werden. Weshalb wir dorthin müssen, wusste zu dem Zeitpunkt niemand genau. Treffpunkt war ein Hotel in der Stadt. Als wir dort eintrafen, kam es uns irgendwie komisch vor, dass alle weisse Taiji-Anzüge trugen und wir die einzigen mit schwarzen Anzügen waren. Ich sagte zu Küni, dass es mich nicht überraschen würde, wenn wir zurück zur Schule gehen müssten um uns umzuziehen. Kaum gesagt, kam eine der Koordinatorinnen zu uns und meinte, wir müssten weisse Anzüge tragen. Also: sofort zurück und umziehen. Wieder im Hotel angekommen, wurden wir zuerst zu einem reichhaltigen Buffet mit leckerem Essen eingeladen.

Nach dem Essen marschierten wir (in Zweierkolonne) zum Vorplatz des Yu Xu Gong. Dort standen wir zuerst mal so ca. ½ Stunde. Dann kam ein Typ mit einem Mikrophon und schreite irgendetwas lautes in Chinesisch, was dann angeblich hiess, dass wir uns in Reih und Glied stellen sollen. Gesagt – getan: nun hiess es während der nächsten Stunde immer wieder „drei Schritte vor!“ und dann wieder „zwei Schritte zurück!“, „etwas links!“, „etwas rechts!“, bis dann ein Meister zu uns kam und sagte, dass wir nun für eine Vorführung die 36er Form üben sollen. Reaktion: Viele fragende Augen... Die meisten von uns kennen dies Form gar nicht, also, legten wir los und übten, übten, übten...

Dutzende von Menschen zogen an uns vorbei und filmten und knipsten, was das Zeug hielt. Wir, die die Form am wenigsten konnten, wurden ausgerechnet in der vordersten Reihe platziert...

Am nächsten Abend dann, galt es ernst: wieder standen wir auf dem Platz und wussten nicht recht, was auf uns zukommen wird. Erneut liefen wir die 36er Form und nach zwei Mal hiess es dann plötzlich „das war’s, wir sind fertig“ und so zogen wir wieder (in Zweierkolonne) durch eine grosse Menschenmenge zurück zum Hotel, wo uns wieder ein reichhaltiges Buffet erwartete.

Am Freitag 12. Mai fand dann ein Podiumsgespräch mit 2 grossen Taiji-Master und einem Abgesandten des Sportministeriums statt, welches vom nationalen TV aufgezeichnet wurde. Anschliessend wurden noch bekannte Daoisten und Kungfu-Meister, sowie drei ausländische Kungfu-Schüler interviewt. Am Nachmittag dann, kehrte endlich wieder Normalität in unser Taiji-Leben ein: Training war angesagt und dies bei recht heissem Wetter (bis 32 Grad) ...



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Kommentare: 1
  • #1

    Jürg Thommen (Montag, 29 Mai 2017 11:40)

    Liebe Küni und Gustav
    Höchst beeindruckend, Danke für Nachrichten und Fotos. Es erinnert uns an unsere China Reise vor etwa 5 Jahren, und auch an die Tahiti Kurse, die wir hier in Locarno besuchten. Unsere Tessiner Lehrerin hatte 10 Jahre bei ihrem Meister verbracht, um sich in dieser für uns so eigenartigen Sportart auszubilden.

    Die erste Lektion wird mir für immer in Erinnerung bleiben: während Margot, die die Kurse schon ein paar Jahre besucht hatte und offenbar mühelos weitermachte, war ich Neuling nach 20 min nudelfertig, vor allem auch geistig! Ich verstand die Welt nicht mehr: so sanfte Bewegungen, und so ermüdend! Leider musste Elena aus gesundheitlichen Gründen die Kurse nach ein paar Jahren aufgeben. Hatte mir ganz neue Perspektiven eröffnet. Margot und ich bedauerten beide, dass wir keine ebenbürtige Lehrerin mehr fanden.

    Wie lange gedenkt Ihr, in China zu bleiben, seid Ihr zu Ausbildungszwecken eher kurzfristig dort oder ist euer Entscheid ein grundsätzlicher, also auswandern? (Kurzfristig: bei dieser schwierigen Ausbildung ein eher relativer Begriff...)

    Bei uns nicht viel neues, doch alles ok Gott sei Dank. Gerne werde ich euren Blog weiter verfolgen und freue mich auf den wiedergefundenen Kontakt. Ist deine E-Mail Adresse. Küni, (hotmail) nach wie vor gültig?
    Gruss aus dem 25 º Ticino!
    Jürg